Die IG Autorinnen Autoren führt angesichts der finanziellen Ausgangssituation ab sofort Stellungnahmen, die sich mit Budgetierungs- und Verwaltungsfragen in der Literaturförderung befassen, als Reihe. Dadurch sollen Entwicklungen nicht nur auf Positionierungen zu aktuellen Entwicklungen beschränkt bleiben, sondern auch längerfristig nachvollziehbar werden.
Gestartet wird diese Reihe mit einer Kommentierung des aktuellen Kunstberichts 2025 und einen Vergleich mit den vorhergehenden Kunstberichten sowie mit Schlussfolgerungen daraus und weiters – auf Verwaltungsseite – mit einer Bewertung der Abrechnungspflichten bei Kleinststipendien.
Das Geld der Literatur 1
Kunstbericht 2025 - Ausgaben für Literatur neuerlich gesunken
Literaturförderungen stehen für die Republik Österreich an letzter Stelle
Es ist unübersehbar, die Förderungen des Bundes für Literatur sinken seit 2023 kontinuierlich. Die Ausgabensenkung von 2023 auf 2024 war keine Schwankung, sie war der Vorbote eines weiteren Abbaus der Förderungsmittel für Literatur. Die Literaturausgaben des Bundes wurden nicht nur von 2023 auf 2024, sie wurden auch von 2024 auf 2025 reduziert.
Eine beiliegende Übersicht zeigt deutlich, die Bundeseinrichtungen arbeiten gut geschützt, alle anderen sind den allgemeinen Teuerungsentwicklungen ausgesetzt und ganz besonders ausgesetzt – als die in den letzten Jahren stets am geringsten dotierte und dennoch kontinuierlich weiter gekürzte Kunstsparte – arbeitet die Literatur.
Weiter gestiegen sind die Mittel in den Sparten Darstellende Kunst/Bundestheater und Bundesmuseen. Als einzige der Spartenförderungen wurden die Förderungen in der Bildenden Kunst und Literatur systematisch abgebaut. Dazugewonnen haben der Film und die Musik. Schwankungen im Dreijahresvergleich zeigen sich bei den Kulturinitiativen, die vor allem bei Sonderprojekten Mittel eingebüßt haben. Besonders vom Ausgabenabbau in der Literatur betroffen sind literarische Einrichtungen und Projekte, weniger Ausgaben gibt es aber auch für alle anderen Förderungskategorien der Literatur. Auffällig ist zudem, dass die Literatur so gut wie nie von Calls oder anderen Zusatzförderungsmöglichkeiten profitiert.
Wir gehen fix davon aus, dass sich diese Abwärtsentwicklung der Literaturausgaben auch für 2026 herausstellen wird und die Literaturförderungen somit Einschränkungen unterzogen werden, die sich sonst nur noch bei den Ausgaben für die Bildende Kunst zeigen. Wir wissen, hätten wir nicht in zahlreichen Fällen gegen die eine oder andere Kürzungsmaßnahme unseren Einsruch eingelegt, dass diese Abwärtsentwicklung noch viel deutlicher zum Ausdruck gekommen wäre als sie ohnehin zum Ausdruck gekommen ist.
Es scheint darum zu gehen, die Fördermittel für Literatur im Windschatten des allgemeinen Sparkurses grundsätzlich herunterzufahren und die Literatur sich selbst und dem großen Fressen der allesverschlingenden großen Plattformen und der KI zu überlassen, anstatt auch nur einen der seit mehr als einem Jahr, seit September 2025, von der IG Autorinnen Autoren vorgelegten, mit der gesamten Literaturszene erarbeiteten 33 Vorschläge aus der Literatur aufzugreifen, weiterzubetreiben und umzusetzen, ob kulturpolitisch, medienpolitisch, bildungspolitisch oder bei den Förderungsmaßnahmen.
Es kann und soll und darf sich niemand erwarten, dass angesichts dieser Ausgangssituation irgendwer in der Literatur für einen Mittelabbau bei den Bundes-Literaturförderungen Verständnis aufbringen wird und Sparappelle für glaubwürdig halten wird können, die so aussehen, dass die Kosten für die Bundeseinrichtungen ungebremst steigen und die Ausgaben für das kleinste Spartenbudget Literatur weiter und weiter reduziert werden, obwohl bei diesem Budget kaum etwas zu holen ist.
Es scheint bei niemandem in der Kunst- und Kulturverwaltung eine ernsthafte Gegenliebe an einer Aufrechterhaltung der Erfolgsgeschichte der Entwicklungen bei den Literaturförderungsmaßnahmen zu existieren, die allzu oft gesetzliche Mängel ausgleichen mussten und die Österreich zu einem angesehenen Teil des gesamtdeutschsprachigen Literaturgeschehens gemacht haben.
Wir stellen nicht nur eine Krise des Buchmarktes, wir stellen auch eine Krise der staatlichen Kultur- und Förderungspolitik fest, die vor allem darin besteht, dass sich die entsprechenden Einrichtungen mehr als Kontrollinstanzen verstehen, denn als partnerschaftliche Einrichtungen zur Unterstützung von Literatur.
IG Autorinnen Autoren
Wien, 21.10.2026
Zahlen der Kunstberichte 2023 – 2025
Bewahrender, reproduzierender Kunst- und Kulturbereich
(Angaben in Mio Euro, bei größeren Beträgen auf 0,5 Mio Euro gerundet)
Ausgabenkategorien mit signifikanteren Veränderungen
- Darstellende Kunst/Bundestheater/Festspiele
250 / 250 / 257
- davon nur Bundestheater
187 / 195 / 204
- Bundesmuseen/Kulturerbe (inkl. Digitalisierungsförderungen)
174 / 196 / 197,5
- davon nur Bundesmuseen (exkl. Digitalisierungsförderungen)
117 / 122 / 127
- Bibliothekswesen/Österreichische Nationalbibliothek
32 / 35 / 35
- davon nur Nationalbibliothek
30 / 30,5 / 30,5
Produzierender Kunstbereich
- Film (Angaben unter Film, Kino, Medienkunst)
48 / 72 / 72
- Musik
13,5 / 16,2 / 17,5
- Bildende Kunst
16 / 14,5 / 13
- Literatur
14,5 / 14 / 13