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Flächendeckender Ankauf antiquarischer Bücher

KI-Unternehmen beginnen Wissen zu monopolisieren

Aus mehreren europäischen Ländern wird berichtet, dass es zu systematischen Ankäufen antiquarischer Bücher durch KI-Zwischenhändler kommt, um KI-Unternehmen zu ermöglichen, diese Bücher in ihre Systeme einzuspeisen. Anschließend kommt es zur Entsorgung der Bücher, die für den Käufer ihren Wert verloren haben.

Dieses Vorgehen stellt nach dem 2009/2010 gescheiterten Versuch von Google, aus allen Büchern „Google Books" zu machen, und der in den letzten Jahren massenhaften unerlaubten Einspeisung aus legalen und illegalen Quellen den nächsten großflächigen Versuch dar, sich das gesamte Wissen aus digitalen und analogen Quellen unter den Nagel zu reißen und konkurrenzlos darüber zu verfügen, ohne dass diese Unternehmen dabei auf wesentliche rechtliche Hindernisse stoßen. Und selbst wenn sich einmal welche herausstellen, entledigen sie sich ihrer mit Abschlagszahlungen im Verhältnis zu den in Aussicht stehenden Gewinnen in Bagatellhöhen.

Wir halten diesen Zustand für untragbar. Es ist nicht zu ertragen, schwerstreichen KI-Unternehmen dabei zusehen zu sollen, wie sie mit immer neuen kreativen Aneignungsideen Bereich um Bereich einer allgemeinen Öffentlichkeit entziehen und für ihre Zwecke funktionalisieren.

Wir fordern den Gesetzgeber auf, umgehend ebenso kreative provisorische Lösungen zu finden, wie z.B. mit einer vorübergehenden sofortigen Ausfuhrbeschränkung, um zu verhindern, dass massenhaft geistes- und kulturgeschichtlich bedeutsame Güter außer Landes geschafft werden, um sie KI-Unternehmen zum Fraß vorzuwerfen.

Wir fordern die Antiquariate Österreichs auf, aufmerksam mit solchen systematischen Beststellungen umzugehen und ihre Bestände nicht KI-Unternehmen in den Rachen zu werfen.

Wir fordern die Nationalbibliothek auf, bekanntzugeben, ob ihr geheim gehaltener Vertrag mit Google zum Einscannen ihrer Sammlungen von urheberrechtsfreien Werken Google auch das Recht einräumt, diese Bücher zum Trainieren von KI-Angeboten zu nutzen.

Wir halten es für dringend notwendig, diesen und anderen Versuchen, Wissen zur Monopolisierung und Kapitalisierung durch einige wenige weltbeherrschende KI-Anbieter einen Riegel vorzuschieben.

Wir warnen nachdrücklich davor, das Weltwissen Firmen zu überlassen, die aus ihm nur mehr von ihnen steuerbare allwissende Systeme machen. Wir halten es für verantwortungslos, dagegen keinerlei Maßnahmen zu ergreifen.

IG Autorinnen Autoren
Wien, 23.6.2026