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Freistellungsbescheinigung und Abzugssteuer in Deutschland

Lösungen für eine raschere und einfachere Ausstellung von Freistellungsbescheiden dringend gesucht

Die IG Autorinnen Autoren ist seit zwei Jahren damit beschäftigt, nach Lösungen für einen praxisnäheren und einfacheren Umgang mit der für viele Kolleginnen und Kollegen in Österreich höchst problematischen deutschen Freistellungsbescheinigung und Abzugssteuer zu suchen, die bei Veröffentlichungen, Aufführungen und Auftritten für nicht in Deutschland steuerpflichtige Autorinnen und Autoren zur Anwendung kommen.

Freistellungsbescheinigungen, die eine Einbehaltung der Abzugssteuer verhindern würden, werden nur mit großen Zeitverzögerungen ausgestellt, und die Rückerstattung der Abzugssteuer stellt vor große bürokratische Hürden, die ohne Unterstützung durch darauf spezialisierte Steuerberater/innen kaum zu überwinden sind. Die Wartezeiten auf die Rückerstattung der Abzugssteuer sind ebenfalls von erheblicher Dauer.

Die Effekte dieser hohen bürokratischen Hürden reichen von Zurückhaltungen der fälligen Honorare bis zum Eintreffen der Freistellungsbescheinigung bis zum Verzicht auf Rückforderungen der geleisteten Abzugssteuer.

Üblicherweise werden im Ausland erzielte Einnahmen von in Österreich unbegrenzt steuerpflichtigen Autorinnen und Autoren durch Doppelbesteuerungsabkommen geregelt und erst in Österreich steuerpflichtig. Es genügt die Vorlage einer Ansässigkeitsbestätigung des österreichischen Finanzamtes, um das Honorar im vollen Umfang beziehen zu können. Auch da bestehen allerdings Tücken, da diese Ansässigkeitsbestätigungen anlassbezogen und nicht auf eine bestimmte Dauer bezogen ausgestellt werden.

Für Deutschland gelten mit der Freistellungsbescheinigung und Abzugssteuer Sonderregeln. Womit sie im Einklang stehen, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und Deutschland allein nicht ausreicht, um für die sonst üblichen klaren Steuerregeln zu sorgen. Und wir wissen, dass die Einkommen, die von österreichischen Autor/inn/en in Deutschland erzielt werden, nicht als unfreiwillige „Sparguthaben“, sondern zum Bestreiten der Existenz benötigt werden.

Was vielleicht helfen könnte, um zu einer besseren Lösung zu kommen, wäre die Neufassung des österreichisch-deutschen Doppelbesteuerungsabkommens oder aber ein anderer Weg, den wir noch nicht kennen. Die individuelle Bewältigung, das haben die vielen Anfragen bei uns in den letzten zwei Jahren gezeigt, hilft in dieser Frage jedenfalls nicht weiter. Die Wartezeiten auf Freistellungsbescheinigungen haben vor einem Jahr noch bis zu einem Jahre betragen, jetzt betragen sie bereits zwei Jahre.

Wir haben recherchiert, auf wie viele in Österreich lebende Autor/inn/en die deutsche Abzugssteuer derzeit grundsätzlich zutrifft, es sind mehr als 500 allein im belletristischen Bereich, die in den letzten beiden Jahren in deutschen Verlagen veröffentlicht haben. Darunter: Bernhard Aichner, Alex Beer, Birgit Birnbacher, Thomas Brezina, Dimitré Dinev, Nava Ebrahimi, Lisa Eckhart, Raphaela Edelbauer, Marc Elsberg, Mareike Fallwickl, Marlene Faro, Milena Michiko Flašar, Franzobel, Valerie Fritsch, Arno Geiger, Daniel Glattauer, Thomas Glavinic, Norbert Gstrein, Wolf Haas, Maja Haderlap, Peter Handke, Monika Helfer, André Heller, Elias Hirschl, Heinz Janisch, Elfriede Jelinek, Vea Kaiser, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Daniel Kehlmann, Gertraud Klemm, Doris Knecht, Michael Köhlmeier, Barbi Marković, Robert Menasse, Eva Menasse, Anna Mitgutsch, Michael Ostrowski, Ewald Palmetshofer, Caroline Peters, Ursula Poznanski, Teresa Präauer, Thomas Raab, Christoph Ransmayr, Kathrin Röggla, Claudia Rossbacher, Tex Rubinowitz, Raoul Schrott, Richard  Schuberth, Robert Seethaler, Clemens J. Setz, Dirk Stermann, Marlene Streeruwitz, David Szalay, Ilija Trojanow, Vanessa Walder, Marco Wanda, Peter Waterhouse, Anna Weidenholzer, Renate Welsh, Daniel Wisser, Barbara Zeman …

Insgesamt sind von rund 1200 lebenden belletristischen österreichischen Autor/inn/en Werke in deutschen Verlagen zu finden und ist die Zahl der Autor/inn/en, die für deutsche Medien, deutsche Theater, deutsche Rundfunk- und Fernsehanstalten und deutsche Veranstalter arbeiten noch viel viel größer. Ab einer gewissen Anzahl an Veröffentlichungen haben so gut wie alle Autor/inn/en genauso in Deutschland wie in Österreich ihr Arbeitsfeld. Das bedeutet, diese Problematik betrifft in Österreich mehrere tausend Autor/inn/en.

Wir ersuchen daher alle in der Österreichischen Bundesregierung, die etwas dazu beitragen können, uns bei der Suche nach einer baldigen Lösung zu unterstützen. Wir nehmen Informationen dazu gerne entgegen und Einladungen zu Gesprächen über Lösungsmöglichkeiten gerne an. Im Anhang haben wir 25 ausgewählte anonymisierte Beispiele beigelegt, welche Probleme und Fragestellungen sich für Autor/inn/en in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der deutschen Freistellungsbescheinigung und Abzugssteuer ergeben haben.

IG Autorinnen Autoren
Wien, 1.12.2025

Freistellungsbescheinung und Abzugssteuer: Gesammelte Beispiele